KategorieMedizin

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RA- und RZA-Patienten profitieren von breiter Evidenz und langjähriger Praxiserfahrung mit dem IL-6-Rezeptorinhibitor Tocilizumab
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Zuckerstoffwechsel steuert Darm-Regeneration
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Teuer und sinnlos: DGVS rät von Stuhltests zur Analyse des Darm-Mikrobioms ab.
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DMP Typ-1-Diabetes: Institut empfiehlt Überarbeitung
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Schluckstörung nach Schlaganfall: Studie zeigt neue Option für schwer betroffene Patienten
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AWMF fordert unabhängige Finanzierung von hochwertigen medizinischen Leitlinien
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Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Colitis ulcerosa
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Neue Europäischen Leitlinien für Bluthochdruck: Was ändert sich?
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Molekulare Therapie soll Risikopatienten vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen
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Neue Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerzmitteln.

RA- und RZA-Patienten profitieren von breiter Evidenz und langjähriger Praxiserfahrung mit dem IL-6-Rezeptorinhibitor Tocilizumab

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) bietet sich durch die Behandlung mit RoACTEMRA® (Tocilizumab, TCZ) die Chance auf eine effektive Krankheitskontrolle: Früh eingesetzt – direkt nach Versagen von krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) – zeigt der Interleukin (IL)-6- Rezeptorinhibitor als Mono- wie auch Kombinationstherapie mit Methotrexat (MTX) gute Ansprechraten und führt schnell zu einer Remission.1 Unter einer RoACTEMRA-Monotherapie erreichten die Patienten dabei eine signifikant längere Verweildauer als unter einer Tumor-Nekrose-Faktor-Inhibitor (TNFi)- Kombinationstherapie mit MTX.2,3 Dies bestätigen aktuelle Daten einer Interimsanalyse der ARATAStudie4 , die anlässlich des 46. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Mannheim präsentiert wurden. Eine Vorreiterrolle spielt RoACTEMRA in der Indikation der RZA – seit September 2017 steht der IL-6R-Inhibitor als erstes Biologikum zur Behandlung der RZA zur Verfügung und ermöglicht ein neuartiges Therapiemanagement.5

Warum eine frühzeitige Therapieanpassung bei einer unzureichenden Krankheitskontrolle unter konventionellen, synthetischen (cs) DMARD entscheidend für den späteren Therapieverlauf der RA ist, diskutierten Experten der Rheumatologie bei einem Symposium von Roche und Chugai am Beispiel von RoACTEMRA. Dass sich dieser Eskalationsschritt lohnt, konnten die Ergebnisse der Interimsanalyse der ARATA-Studie unterstreichen. Die deutsche nicht-interventionelle Studie untersucht die Effektivität und Verträglichkeit von RoACTEMRA s.c. in der täglichen Praxis. In der aktuellen Analyse wurden die Daten von 1.154 RA-Patienten getrennt nach ihrer Vor- und Begleittherapie ausgewertet. Dabei wurde untersucht, wie eine Vortherapie mit csDMARD oder biologischen DMARD die Wirksamkeit, Behandlungsdauer und Retentionsrate einer TCZ-Mono- bzw. Kombinationstherapie mit MTX beeinflusst.

Frühzeitig für eine effektive Krankheitskontrolle sorgen
Bei Patienten, die ausschließlich mit csDMARD vorbehandelt wurden, zeigten sich unabhängig von der Begleitmedikation (TCZ-Monotherapie, n=275 bzw. TCZ+MTX, n=98) bessere Ansprech- und Verträglichkeitsraten als bei Patienten, die bereits bDMARDs erhalten hatten (TCZ-Monotherapie, n=431 bzw. TCZ+MTX, n=245). Zu Woche 104 lag der Anteil von Patienten mit einer niedrigen Krankheitsaktivität (DAS28-BSG* 2,6) bei 63,2% bzw. 65,4% im Vergleich zu 54,4% bzw. 56,6%. Eine Remission (CDAI ≤ 2,8) erreichten im gleichen Zeitraum 47,3% bzw. 31,3% verglichen mit 28,1% bzw. 20,7%.4 Ein frühestmöglicher Einsatz von TCZ– direkt nach csDMARD Versagen – kann folglich die Prognose des Patienten verbessern, bei der Gabe als Monotherapie oder in Kombination mit MTX.

Evidenzbasiert und überlegen: RoACTEMRA überzeugt in der Monotherapie

Weiterhin konnte beobachtet werden, dass Monotherapiepatienten (TCZ direkt nach csDMARDBehandlung) mit 525, 5 Tagen die längste mediane TCZ-Behandlungsdauer aufwiesen. Bei Patienten mit bDMARD-Vorbehandlung lag die mediane TCZ-Behandlungsdauer nur bei 415,0 Tagen. Auch die Retentionsrate fiel im Vergleich der Behandlungsgruppen tendenziell höher aus. 4 Dank des günstigen Nutzen-/Risikoprofils6,7 kann mit einer RoACTEMRA-Monotherapie eine erhöhte Therapietreue und Patientenzufriedenheit erzielt werden. 2 In der RA-Therapie besitzt RoACTEMRA im Vergleich mit anderen Monotherapien die breiteste Evidenzlage, wie es auch in der neuen S2e-Leitlinie der DGRh hervorgehoben wird. 1-3,8-13 Dazu kommt die Erfahrung in der Behandlung von mehr als 1.000.000 Patienten seit der Zulassung14 und mit mehr als 22.000 Patientenjahren in klinischen Studien15 . Von Beginn an war RoACTEMRA auch ein Wegbereiter für neue Therapiestandards bei RA: Erstmals konnte eine Überlegenheit gegenüber MTX** und TNFi in der Monotherapie nachgewiesen werden8,9, genauso wie eine vergleichbare Wirksamkeit als Mono- und Kombinationstherapie mit MTX10 .

Bewährtes Biologikum führt zu Therapiedurchbruch bei RZA

Seiner Vorreiterrolle konnte der IL-6R-Inhibitor nun auch für die Indikation der RZA gerecht werden: als erstes zugelassenes Biologikum und als erste neue Therapieoption bei RZA seit über einem halben Jahrhundert.16 Im Symposium berichteten die Referenten aus der Praxis, was sich seit der Zulassung von RoACTEMRA in der RZA-Therapie verändert hat und welche Chancen die neue Behandlungsmöglichkeit mit sich bringt. Wie die zulassungsrelevante Phase-III-Studie GiACTA5 zeigte, lassen sich unter RoACTEMRA bei einer deutlich erhöhten Wirksamkeit, Glukokortikoide (GC) signifikant einsparen und damit GC-bedingte Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen reduzieren. Mehr als 50% der Patienten befanden sich auch nach einem Jahr noch in einer GC-freien Remission. 5 Zudem steht RZA-Patienten mit RoACTEMRA eine zugelassene Therapie zur Verfügung, die im Vergleich zu MTX bei RZA eine effektive und anhaltende Wirksamkeit nachweisen konnte.17,18

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Quellen:

[1] Bijlsma JWJ et al., Lancet 2016; 388: 343–355
[2] Lauper K et al., Ann Rheum Dis 2018; 77: 1276–1282
[3] Lauper K et al., EULAR 2018; Poster THU0202
[4] Behrens F et al., DGRh 2018; Poster RA.27 18-275
[5] Stone JH et al., N Engl J Med 2017; 377: 317–328
[6] Genovese MC et al., J Rheumatol 2013; 40: 768–780
[7] Mohan S et al., ACR 2017; Poster 550
[8] Jones G et al., Ann Rheum Dis 2010; 69: 88–96
[9] Gabay C et al., Lancet 2013; 381: 1541–1550
[10] Dougados M et al., Ann Rheum Dis 2013; 72: 43–50
[11] Huizinga TW et al., Ann Rheum Dis 2015; 74: 35–43
[12] Buckley F et al., J Manag Care Spec Pharm 2015; 21: 409–423
[13] Fiehn C et al., Z Rheumatol 2018; 77(Suppl 2): 35–53
[14] Data on file, Roche Pharma AG
[15] Mohan S et al., EULAR 2017; Abstract 3573
[16] Fachinformation RoACTEMRA® Fertigspritze, Stand April 2018
[17] Henry M et al., EULAR 2018; THU0447
[18] Hoffman GS et al., Arthritis Rheum 2002; 46: 1309–1318
*DAS28-BSG = Disease Activity Score, der sich aus der Anzahl druckschmerzhafter und geschwollener Gelenke (0-28), der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und der Einschätzungen der rankheitsaktivität durch den Patienten (VAS) berechnet **bei MTX-naiven/MTX-IR Patienten

Zuckerstoffwechsel steuert Darm-Regeneration

Eine überraschende Verbindung zwischen Zuckerstoffwechsel und Anpassung des Darmgewebes an den Ernährungszustand entdeckten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Heidelberg.

Kein anderes Gewebe unseres Körpers weist eine so hohe Rate an Zellerneuerung auf wie der Darm. Da das Darmgewebe hohen Energiebedarf hat, ist es für den Organismus wichtig, das Volumen und die Struktur des Darmgewebes an wechselnde Nährstoffangebote anzupassen. Ist diese Regulation gestört, kann Darmkrebs entstehen oder es kann zu einem Schwund der Darmschleimhaut, einer so genannten Darm-Atrophie kommen.

Für die kontrollierte Erneuerung des Darmgewebes sind Darm-Stammzellen zuständig. Wenn nicht genügend Nährstoffe vorhanden sind, teilen sich die Stammzellen langsam und der Darm schrumpft. Eine günstige Ernährungslage kurbelt die Stammzellteilung an und der Darm erholt sich wieder zu seiner normalen Größe. Bislang existierten jedoch nur wenige Ergebnisse darüber, wie diese Anpassung auf molekularer Ebene reguliert wird.

Das Team um Michael Boutros vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat dies nun in Kooperation mit Kollegen von der Universität Helsinki am Darm der Fruchtfliege Drosophila melanogaster untersucht. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Darm-Stammzellen einen zelleigenen Zucker-Biosyntheseweg nutzen, um die Rate ihrer Zellteilungen zu kontrollieren.

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Eine hohe Syntheserate von Glukosamin, einem Traubenzucker-Derivat, signalisiert den Stammzellen, sich zu teilen und Zell-Nachschub zu bilden. Werden die Fliegen mit einem Glukosamin-Derivat (N-Acetyl-Glukosamin) gefüttert, proliferierten die Darm-Stammzellen unabhängig von einer ansonsten schlechten Ernährungssituation. Blockierten die Forscher dagegen die Biosynthese von N-Acetyl-Glukosamin genetisch, konnte selbst ein hoher Nährstoffgehalt die Teilungsrate der Darm-Stammzellen nicht ankurbeln. Glukosamin verbesserte außerdem die Reaktionsfähigkeit der Stammzelle auf Insulin, einem zentralen Signalmolekül für den Nährstoffstatus des Organismus.

„Der Biosyntheseweg für Glukosamin war bisher nicht als Modulator der Stammzellen im Darm bekannt. Wir haben hier eine überraschende Verbindung zwischen dem Zuckerstoffwechsel und der Anpassung des Darms an verschiedene Ernährungsbedingungen entdeckt“, sagt Michael Boutros. Sollte N-Acetyl-D-Glukosamin auch in Darmzellen des Menschen eine vergleichbare Rolle spielen, könnten die aktuellen Ergebnisse auch medizinische Bedeutung gewinnen. „Ob dies jedoch tatsächlich so beim Menschen funktioniert, muss zunächst noch sorgfältig geprüft werden“, gibt Boutros zu bedenken.

Quelle:
Jaakko Mattila, Krista Kooki, Ville Hietakangas und Michael Boutros: Stem cell intrinsic hexosamine metabolism regulates intestinal adaptation to nutrient content.
Developmental Cell 2018, DOI: 10.1016/j.devcel.2018.08.011

Teuer und sinnlos: DGVS rät von Stuhltests zur Analyse des Darm-Mikrobioms ab.

Das Darm-Mikrobiom ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Wissenschaft geraten. Auch in der Öffentlichkeit stößt die Thematik auf großes Interesse. Denn immer mehr Untersuchungen zeigen, dass die Millionen Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln, nicht nur unverzichtbare Dienste bei der Verdauung und Verwertung der Nahrung leisten, sondern die Zusammensetzung dieser Mikroorganismen auch eine Rolle bei der Entstehung verschiedenster Erkrankungen – von Herz-Kreislauf-Leiden, psychischen Störungen bis hin zu Lebererkrankungen und Adipositas – spielt. Einige Hersteller und Labore bieten deshalb Untersuchungen von Stuhlproben zur „Analyse“ der Darmflora an und leiten aus den Ergebnissen Ernährungs- und Handlungsempfehlungen ab. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät davon ab, Stuhltests zur Untersuchung des Mikrobioms zu nutzen. Diesen fehle derzeit die wissenschaftliche Grundlage, so die Experten der Fachgesellschaft. Stuhltests haben in vielen Bereichen der Gastroenterologie ihren festen Platz: Etwa in der Darmkrebsvorsorge, wo mit dem IFOB-Test verstecktes Blut im Stuhl aufgespürt wird. Auch die DNA von Darmbakterien lässt sich aus dem Stuhl isolieren und analysieren – dies kommt beispielsweise bei der Diagnostik einzelner pathogener Erreger wie Clostridium difficile zum Einsatz. „Eine Analyse des gesamten Spektrums der Mikroorganismen im Darm ist allerdings weitgehend sinnlos, da die Zusammensetzung des Mikrobioms und eventuelle Krankheitssymptome nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben“, sagt Professor Dr. med. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Kieler Universitätsklinikums. „Die Mikrobiom-Forschung steht noch relativ am Anfang: Welche Korrelationen bestehen und wie sie sich im Einzelfall auswirken, ist derzeit noch nicht ausreichend bekannt. Darüber hinaus liefert die Analytik auch noch keine konsistenten Ergebnisse, die zwischen verschiedenen Laboren vergleichbar wären.“

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Die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora kann individuell höchst unterschiedlich ausfallen und ist zudem ständig kurzzeitigen Schwankungen unterworfen, etwa durch die Einnahme von Medikamenten, durch bestimmte Nahrungsmittel oder auf Reisen. „Aus bakteriellen Verschiebungen, die sich in solchen Stuhltests möglicherweise zeigen, lässt sich deshalb noch lange kein krankhafter Zustand oder ein Zusammenhang mit einer chronischen Erkrankung herleiten“, so Schreiber. Dennoch würden aus den Ergebnissen von Darmflora-Stuhltests oft Ernährungsempfehlungen abgeleitet, die die Lebensqualität des Patienten einschränken und im schlimmsten Fall sogar zu einer Mangelernährung führen könnten. Die Kosten für solche Tests, die mitunter mehrere hunderte oder tausende Euro betragen, werden von den Krankenkassen regelmäßig nicht übernommen. Oft werden diese Tests im Internet, manchmal auch als sogenannte IGeL, individuelle Gesundheitsleistungen, beim Arzt angeboten. „Die Erkenntnisse, die wir in den letzten Jahren über das Mikrobiom gewonnen haben, zeigen, dass in seiner Erforschung ein riesiges Potenzial liegt“, ist Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III der RWTH Aachen und Mediensprecher der DGVS, überzeugt. Die genauen Zusammenhänge zwischen Ernährung, Mikrobiom, Darmgesundheit und dem Zustand anderer Organe seien bislang jedoch nur unzureichend verstanden. Vor allem die mit dem Mikrobiom in Verbindung gebrachten molekularen Prozesse, die zur Entstehung so unterschiedlicher Krankheiten wie Entzündungen, Leberzirrhosen, Krebserkrankungen oder koronarer Herzkrankheit beitragen, müssten genauer erforscht werden. „Um die wissenschaftlichen Bemühungen in der Mikrobiom- und Genomforschung stärker zu bündeln, plädiert die DGVS deshalb für die Einrichtung eines Deutschen Zentrums für Gastroenterologische Gesundheit“, so Professor Trautwein. Dieses soll die bestehenden Gastro-Zentren in Deutschland vernetzen und so die Entwicklung von Präventions-, Früherkennungs- und Behandlungsstrategien erleichtern.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Weitere Informationen hierzu finden Interessierte unter https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2018/07/DGVS_PositionspapierStand-19.07.2018.pdf

DMP Typ-1-Diabetes: Institut empfiehlt Überarbeitung

Um sie an den Stand des medizinischen Wissens anzupassen, sollen Disease-Management-Programme (DMPs) in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Inhaltliche Vorgaben zu den DMPs sind in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) verankert und finden bundesweit Anwendung. Im Auftrag des G-BA hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) deshalb aktuelle evidenzbasierte Leitlinien zu Diabetes mellitus Typ 1 recherchiert, deren Empfehlungen zu Kernaussagen zusammengefasst und überprüft, ob sich aus ihnen ein Überarbeitungsbedarf für das DMP ergibt.

Laut Abschlussbericht ist das insbesondere in Hinblick auf das Vermeiden von Unterzuckerungen mithilfe moderner Technologien und bei Patienten-Schulungen der Fall. Im Vorbericht hatten diese Themen weniger im Vordergrund gestanden. Das liegt vor allem daran, dass das Institut neue Leitlinien in seine abschließende Bewertung einschließen konnte.

Bei allen Versorgungsaspekten Aktualisierung empfohlen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten nun insgesamt 37 Leitlinien in ihre Analyse einbeziehen, beim Vorbericht waren es noch 32 gewesen. Und bei einer Reihe von Leitlinien stand ihnen nun eine aktuellere Version zur Verfügung. Aus den 37 Leitlinien extrahierten sie insgesamt 2817 Empfehlungen. Diese beziehen sich auf verschiedenste Versorgungsaspekte, wie Diagnostik, Therapie oder die Kooperation der beteiligten Berufsgruppen. Inhaltlich überprüft hat das Institut die Empfehlungen nicht.

Technische Hilfsmittel können Blutzuckerregulierung unterstützen

Wie das Institut beim Abgleich von Leitlinien-Empfehlungen und Richtlinie konstatiert, könnten die Inhalte aller Versorgungsaspekte des DMPs Typ-1-Diabetes aktualisiert werden („potenzieller Aktualisierungsbedarf“). Geboten ist eine Überarbeitung aber unter anderem beim Vermeiden einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Denn dies ist mittlerweile auch bei Typ-1-Diabetes ein wichtiges Ziel der Behandlung.

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Inzwischen gibt es eine ganze Reihe moderner technischer Hilfsmittel, die Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Immer häufiger eingesetzt wird etwa das kontinuierliche Glukose-Monitoring (CGM), bei dem Sensor-Elektroden unter der Haut platziert werden. Einige Geräte bieten eine Alarmfunktion, die eine drohende Unterzuckerung anzeigt. Kombiniert man die CGM mit der Insulinpumpe, kann die Insulingabe automatisch gestoppt oder gedrosselt werden, was unter anderem nächtliche Unterzuckerungen vermeiden helfen soll. In den für den Abschlussbericht ausgewerteten neuen Leitlinien werden diese Technologien aufgegriffen, im DMP fehlen sie jedoch.

Patienten sollten Kenntnisse in Schulungen auffrischen können

Die DMP-Richtlinie macht für Patienten-Schulungen bisher nur wenige inhaltliche und zeitliche Vorgaben. Laut neueren Leitlinien können Wiederholungsschulungen beispielsweise als Refresh- oder Ergänzungsschulungen aber die Betroffenen im Alltag unterstützen, etwa wenn sie Schwierigkeiten haben, die Therapie-Empfehlungen im Alltag umzusetzen.

Nicht nur Rauchverzicht ist bei Typ-1-Diabetes von Bedeutung

Im DMP gibt es seit langem ein Kapitel „Raucherberatung“. Tatsächlich gibt es in den Leitlinien aber mittlerweile eine ganze Reihe von Empfehlungen, die als „gesunde Lebensweise“ umschrieben werden können. Dabei geht es nicht nur um Tabak- und Alkoholkonsum, sondern auch um Ernährung und Bewegung. Das Institut empfiehlt, diese Empfehlungen unter einem Gliederungspunkt „Lebensstilmanagement“ zu bündeln und inhaltlich zu erweitern.

Relevanz von Insulinanaloga in Leitlinien gestiegen

Diskrepante Aussagen stellt das Institut in Hinblick auf die Art des Insulins fest, das Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes spritzen. Denn während das DMP von Humaninsulin als „Mittel der Wahl“ ausgeht, betrachten die neuen Leitlinien Insulinanaloga inzwischen als gleichwertig.

Bei diesen vier Aspekten, also neue Technologien, Patienten-Schulungen, Lebensstilmanagement und Insulinanaloga, schätzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Überarbeitungsbedarf im Abschlussbericht höher ein als noch im Vorbericht.

Quelle:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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Schluckstörung nach Schlaganfall: Studie zeigt neue Option für schwer betroffene Patienten

Bei Patienten, die nach einem Schlaganfall unter Schluckstörungen leiden, bildet sich die schlaganfallbedingte Dysphagie deutlich rascher zurück, wenn sie eine pharyngeale elektrische Stimulation (PES) erhalten. Das bestätigt eine in „The Lancet Neurology“ veröffentlichte multizentrische Interventionsstudie. „Die PES stellt damit für diese schwerstkranken Patienten eine echte Therapieoption dar“, berichtet Studienleiter Prof. Dr. Rainer Dziewas, Leiter der Sektion Schlaganfall-Therapie an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster (UKM). Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) bieten ganzjährig an verschiedenen Zentren sowie während der Neurowoche 2018 vom 30. Oktober bis 1. November in Berlin Fortbildungskurse für die flexible endoskopische Evaluation des Schluckaktes (FEES) an.

Rund 12,5 Prozent aller in ein Krankenhaus eingelieferten Schlaganfallpatienten werden künstlich beatmet und bei 16,3 Prozent muss eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) durchgeführt werden. In der Rehabilitation dieser Patienten ist die sichere Entfernung der Trachealkanüle ein wichtiges Ziel, um das Risiko von Atemwegskomplikationen und fatalen Krankheitsverläufen zu verringern und die Länge des Krankenhausaufenthalts zu verkürzen. Eine fortbestehende, durch den Schlaganfall verursachte Dysphagie (Schluckstörung) ist in diesem Szenario der Hauptgrund, warum die Entwöhnung von der Trachealkanüle häufig nur sehr langsam oder überhaupt nicht gelingt. Zur Reaktivierung des Schlucknetzwerkes steht seit einigen Jahren mit der sogenannten pharyngealen elektrischen Stimulation (PES) eine innovative Neurostimulationstherapie zur Verfügung.

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Studie: PES reaktiviert erfolgreich das Schlucknetzwerk
Die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlichte multizentrische Interventionsstudie PHAST-TRAC verglich die PES bei tracheotomierten Schlaganfallpatienten mit einer Scheintherapie. Bei Patienten, die eine PES erhielten, bildete sich die schlaganfallbedingte Dysphagie deutlich rascher zurück. Deshalb konnte auch die Trachealkanüle bei signifikant mehr Patienten unmittelbar nach der Stimulationstherapie entfernt werden (49 versus 9 Prozent). Darüber hinaus war der Krankenhausaufenthalt der Patienten, die auf die PES-Behandlung ansprachen, durchschnittlich um 22 Tage kürzer als bei Patienten, die kein Therapieansprechen zeigten. Die Studie wurde vom Hersteller finanziert. „Die PES ist für tracheotomierte Schlaganfallpatienten nicht nur ein Riesengewinn, weil die Trachealkanüle schneller entfernt werden kann und der Krankenhausaufenthalt sich signifikant verkürzt, sondern auch, weil so das Risiko von Folgekomplikationen reduziert wird“, sagt Professor Dr. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär und ehemaliger Chefarzt der Klinik für Neurologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen.

PES ist für schwerstkranke Patienten eine echte Therapieoption
„Neben diesen eindeutigen Effekten war insbesondere auch erfreulich, dass die Stimulationstherapie in PHAST-TRAC keine schwerwiegenden Nebenwirkungen mit sich brachte. Die PES stellt damit für diese schwerstkranken Patienten eine echte Therapieoption dar“, berichtet der Leiter der Studie, Prof. Dr. Rainer Dziewas von der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster (UKM). „Die gesamte Entwicklung der PES von den vielfältigen Grundlagenstudien, die ja zum Teil noch aus dem letzten Jahrtausend datieren, über die wichtigen klinische Pilotprojekte bis hin zu der nun positiv abgeschlossenen Multicenterstudie stellt ein Paradebeispiel für die translationale klinische Forschung dar“, freut sich Prof. Dr. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie des UKM.

Bei der PES wird eine dünne Sonde über die Nase in die Speiseröhre eingeführt. Diese Sonde ist mit einem Paar Ringelektroden bestückt, über die die Rachenhinterwand elektrisch stimuliert werden kann. Dies geschieht an drei aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils zehn Minuten. Physiologisch wirkt diese Stimulationstherapie, indem sie die sensiblen Leitungsbahnen, die das Schlucken steuern helfen, aktiviert und so das komplex strukturierte Schlucknetzwerk moduliert und neuronale Reorganisation induziert.

Neurowoche 2018: DGN veranstaltet FEES-Basiskurs
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ein Curriculum für die flexible endoskopische Evaluation des Schlussaktes (FEES) erarbeitet, um die Ausbildung in der endoskopischen Dysphagiediagnostik zu optimieren und zu formalisieren. FEES-Basiskurse werden regelmäßig im ganzen Bundesgebiet angeboten – auch auf der Neurowoche 2018 in Berlin: Vom 30. Oktober bis 1. November 2018 veranstaltet die DGN unter Vorsitz von Professor Dr. Rainer Dziewas ein dreitägiges FEES-Basisseminar. Plätze sind noch frei, Teilnehmer sind von den Kongressgebühren befreit.

Quelle:

Dziewas R. et al. Pharyngeal electrical stimulation for early decannulation in tracheotomised patients with neurogenic dysphagia after stroke (PHAST-TRAC): a prospective, single-blinded, randomised trial. Lancet Neurol 2018; online veröffentlicht am 28. August 2018.

 

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Dysphagie und Mangelernährung bei neurologischen Erkrankungen“ mit den Themen Definition und Klassifikation, Versorgungssituation der Patienten mit Dysphagie und Mangelernährung.
SCREENING-INSTRUMENTE UND APPARATIVE DIAGNOSTIK BEI DYSPHAGIE (2017)

AWMF fordert unabhängige Finanzierung von hochwertigen medizinischen Leitlinien

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. fordert seit vielen Jahren eine nachhaltige, unabhängige Finanzierung für hochwertige interdisziplinäre, evidenzbasierte Leitlinien. Die AWMF sieht im Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der auch nach 2019 mit einem Budget von 200 Mio. Euro pro Jahr fortgesetzt wird, die geeignete Struktur, um eine solche Förderung sinnvoll und effizient umzusetzen. Der Innovationsfonds fördert Projekte, die helfen, die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern. Diesen Zweck erfüllen
die AWMF-Leitlinien seit vielen Jahren. Doch nur mit einer unabhängigen Finanzierung kann die methodisch aufwändige Arbeit der Fachgesellschaften in der AWMF an hochwertigen Leitlinien künftig aufrechterhalten und weiterentwickelt werden.

Die Leitlinien der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften sind die wesentliche Wissensgrundlage im deutschen Gesundheitssystem. Sie sind die Basis für medizinische Entscheidungen zum Wohle des Patienten sowie Grundlage für die medizinische Fortbildung und Qualitätssicherung. Außerdem unterstützen sie die Versorgungsforschung und helfen, unbearbeitete Forschungsfelder zu identifizieren. Seit über 20 Jahren entwickeln die in der AWMF vernetzten Fachgesellschaften diese unabhängigen wissenschaftlichen Leitlinien. Deren Qualität hat sich kontinuierlich verbessert. Immer mehr Leitlinien weisen mittlerweile die höchste Klasse S3 aus. Doch die Entwicklung von Leitlinien ist aufwändig und kostenintensiv: Je höher deren methodische Qualität, umso höher werden auch die Aufwände, die Leitlinien zu erstellen und aktuell zu halten. Die Fachgesellschaften stemmen diese Finanzierung bislang alleine. Die Entwicklung der Leitlinien erfolgt ehrenamtlich durch die Mitglieder der Leitlinien-Gruppe.

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Erhebliche Kosten entstehen beispielsweise für Literaturrecherchen und Evidenzbewertungen, die Nutzung von Datenbanken, Treffen der Leitliniengruppe und öffentliche Konsultationsverfahren. „Fachgesellschaften stoßen bei den stetig steigenden Qualitätsanforderungen und dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der notwendig ist, um mit dem aktuellen medizinischen Wissensstand Schritt zu halten, an ihre Grenzen“, betont AWMF-Präsident Professor Dr. med. Rolf Kreienberg. „Um künftig die hohe Qualität zu halten und noch mehr Leitlinien der Klasse S3 entwickeln zu können, wird für die Leitlinien-Arbeit eine unabhängige Finanzierung benötigt“, ergänzt Professor Dr. med. Ina B. Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi). Nur so ließen sich die internationalen Qualitätsstandards einschließlich redaktioneller Unabhängigkeit bewahren. „Leitlinien definieren den Goldstandard der Versorgung. Davon profitiert das gesamte Gesundheitssystem. Es wäre daher naheliegend, wenn sie künftig über den Innovationsfonds des G-BA finanziert werden“, so Professor Kopp. Durch eine solche Finanzierung ließen sich auch offene Themen oder neue Herausforderungen angehen. So wäre es beispielsweise wichtig, mehr Leitlinien mit ihren verlässlichen Informationen den Bürgerinnen und Bürgern in einer verständlichen Sprache zugänglich zu machen. Außerdem müssten die Bedürfnisse spezieller Bevölkerungsgruppen wie die von Kindern, alten Menschen oder Patienten mit mehreren Erkrankungen besser in Leitlinien abgebildet werden. Um Leitlinien noch unmittelbarer in den Versorgungsalltag zu integrieren, wäre zudem deren Digitalisierung notwendig. Die AWMF unterstützt die Leitlinienentwicklung der Fachgesellschaften durch methodische Hilfen und Beratung.

Außerdem sichert sie deren Qualität, indem neue Leitlinien-Projekte für das Leitlinien-Register der AWMF angemeldet werden müssen und von der AWMF geprüft werden. Eine unabhängige Finanzierung und der transparente Umgang mit Interessenkonflikten der Leitlinien-Autoren sind dabei Grundvoraussetzung für die Aufnahme in das AWMF-Register. Zudem werden entsprechend internationaler Standards weitere Kriterien der systematischen Entwicklung geprüft und die Leitlinien entsprechend klassifiziert, von S1 bis S3. S3 stellt die „Königsklasse“ höchster methodischer Qualität dar. „Die Qualitätssicherung durch die AWMF hat sich bewährt. Sie ist auch bereits in anderen Förderprogrammen, die auf höchste Leitlinienqualität – S3- setzen hilfreich und erfolgreich“ erläutert Professor Kreienberg und nennt dazu das Programm für Nationale Versorgungsleitlinien von AWMF, Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung sowie das Leitlinienprogramm Onkologie von AWMF, Deutscher Krebsgesellschaft und Deutscher Krebshilfe.Die bestehenden Programme finanzieren jedoch nur einen Bruchteil der heutigen S3-Leitlinien und reichen nicht aus, um die bestehenden Qualitätsstandards vieler S3-Leitlinien zu halten oder neue Herausforderungen anzugehen“, ergänzt Professor Kopp. Bei einer Finanzierung durch den Innovationsfonds würden die AWMF und ihre Fachgesellschaften unverändert für die Qualitätssicherung der Leitlinien garantieren. „Die AWMF und ihre Mitgliedsgesellschaften haben in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass sie das können“, so Professor Kreienberg. „Alle in unserem Gesundheitssystem verlassen sich darauf, dass es qualitätsgesicherte, hochwertige Leitlinien gibt, die kontinuierlich weiterentwickelt und aktuell gehalten werden“, so der AWMF-Präsident, „dann ist es auch notwendig, dass Gelder des Gemeinwesens in deren Entwicklung fließen.“

Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Colitis ulcerosa

Krampfartige Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und immer wieder Durchfälle: In Deutschland sind rund 150.000 Menschen an der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa (CU) erkrankt. Colitis ulcerosa, die meist im jungen Erwachsenenalter, nicht selten auch schon bei Jugendlichen und Kindern, beginnt, verläuft in Schüben und begleitet die Betroffenen in der Regel ein Leben lang. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) haben Experten nun die Leitlinie für die Behandlung der Colitis ulcerosa auf den aktuellen Stand der Wissenschaft gebracht. Ein besonderes Augenmerk haben die Autoren dabei auf die erhöhten Infektionsrisiken von CU-Patienten und den Aspekt Ernährung gelegt. Die Rolle der Ernährung wurde viele Jahre überschätzt: Abgesehen vom Stillen gibt es keine wissenschaftlich belegte Ernährungsform, die das Risiko für die Entstehung einer CU-Erkrankung reduziert.

Fälle von Colitis ulcerosa wurden bis Ende der 50er-Jahre in Deutschland selten diagnostiziert und haben seitdem in allen westlichen Industrieländern deutlich zugenommen. Ein wichtiger Auslöser der Erkrankung und eine Erklärung für die Zunahme der CU scheint in veränderten Umwelt- und Hygienebedingungen der modernen Zivilisation zu liegen. CU tritt eher in Industrieländern als Entwicklungsländern, eher bei Städtern als in der Landbevölkerung auf. „Die Zunahme der Fallzahlen in den letzten Jahrzehnten führte zudem zur Theorie, dass der Auslöser für die Erkrankung auch in den modernen Ernährungsgewohnheiten zu finden sein könnte“, sagt Professor Dr. med. Axel Dignaß von der Medizinischen Klinik I des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt, einer der Koordinatoren der Leitlinie. Studien hätten diesen Zusammenhang bisher allerdings nicht bestätigt. Einzige Ausnahme ist das Stillen: Kinder, die mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, haben ein um fast ein Viertel reduziertes Risiko, später an CU zu erkranken, als nicht oder nur kurz gestillte Kinder.

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Während eine Prävention über die Ernährung also nicht effektiv möglich zu sein scheint, kommt der Ernährung bei bereits bestehender CU eine große Bedeutung zu. „Wegen der wiederkehrenden Durchfälle und der Schädigung der Darmschleimhaut haben die Patienten ein hohes Risiko für eine Mangelernährung“, sagt Professor Dr. med. Torsten Kucharzik von der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie des Städtischen Klinikums Lüneburg, der die Aktualisierung der Leitlinie ebenfalls als Koordinator betreut hat. Oft schwächten die Komplikationen, die durch den Nährstoffmangel hervorgerufen würden, die Patienten mehr, als die Darmentzündung selbst.Besonders Kinder weisen häufig – in bis zu 85 Prozent der Fälle – Zeichen einer Mangelernährung auf.Neben starken Proteinverlusten wirken sich auch eine zu geringe Versorgung mit Mikronährstoffen wie Eisen, Vitamin D, Folsäure oder Zink negativ auf Wachstum und Entwicklung aus. Die Versorgung mit Nährstoffen sollte daher regelmäßig überprüft und fehlende Nährstoffe als Tablette oder Infusion zugeführt werden, empfiehlt die Leitlinie.

Die Ursachen für die Entstehung einer CU sind nach wie vor nicht vollständig geklärt, zentral scheint jedoch eine Fehlsteuerung des Immunsystems zu sein. Die Patienten werden daher meist mit immunsuppressiven Medikamenten behandelt. Damit steigt jedoch die Gefahr von bakteriellen oder viralen Infektionen deutlich an. „Besonders die Kombination mehrerer Medikamente stellt ein Problem dar“, erläutert Kucharzik. In Studien hatten Patienten, die mehrere solcher Medikamente einnehmen mussten, ein um das 14,5-Fache erhöhtes Infektionsrisiko. Die Mediziner raten daher dazu, noch vor Beginn der Therapie den Impfstatus der Patienten zu überprüfen und fehlende Impfungen nachzuholen. Auch die jährliche Grippeimpfung sei für immunsupprimierte Patienten dringend zu empfehlen.

Obwohl die Krankheit nicht selten ist, dauert es bei vielen CU-Patienten noch immer lange, bis sie die richtige Diagnose und eine adäquate Therapie erhalten. „Umso wichtiger war uns die Aktualisierung der Leitlinie“, sagt DGVS-Experte Dignaß. Besonders in den Händen von Hausärzten und der Patienten selbst, könne sie wertvolle Hinweise für eine frühzeitige Diagnosestellung und optimale Behandlung der Krankheit geben. Die aktualisierte S3-Leitlinie wurde federführend von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten erstellt und fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft bei Diagnostik und Behandlung der Colitis ulcerosa zusammen. Die Leitlinie ist abrufbar unter

https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitliniender-dgvs/colitis-ulcerosa/

Quelle:

DGVS Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten


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Neue Europäischen Leitlinien für Bluthochdruck: Was ändert sich?

Auf dem Kongress der „European Society of Hypertension“ (ESH) wurden am vergangenen Wochenende in Barcelona die neuen europäischen Leitlinien für die Behandlung von Bluthochdruck vorgestellt. Die ESH/ESC-Leitlinie hält an der Definition von Bluthochdruck von ≥140/90 mm Hg fest und setzt verstärkt auf Prävention und Früherkennung: Menschen mit optimalen Blutdruckwerten unter 120/80 mm Hg sollen sich alle 5 Jahre eine Blutdruck-Screening-Messung unterziehen, Erwachsene mit hochnormalen Blutdruckwerten (130–139/85–89 mm Hg) mindestens jährlich. Die Therapietreue soll durch den Einsatz von Fixdosis-Kombinationen verbessert werden.

Auf dem Kongress der „European Society of Hypertension“ (ESH) wurden erstmals die neuen Europäischen Leitlinien für die Behandlung von Bluthochdruck präsentiert, die zusammen von der ESH und der „European Society of Cardiology“ (ESC) erstellt wurden und deren Publikation im August erwartet wird [1]. Die neuen Leitlinien halten nach wie vor an der bestehenden Krankheitsdefinition von ≥140/90 mm Hg fest, empfehlen aber, eine Senkung in den Normalbereich (<130/80 mm Hg) anzustreben. Professor Dr. med. Peter Trenkwalder, Stellv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention kommentiert: „Die US-Leitlinien definieren Bluthochdruck bereits ab Werten ≥130/80 mm Hg, der Grenzwert wurde 2017 u.a. als Reaktion auf die SPRINT-Studie [2] abgesenkt. Die europäische Leitlinienkommission hingegen sah für eine solche Empfehlung keine ausreichende Evidenz. Die neue Leitlinie sieht weiterhin vor, die Mehrzahl der Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von 140/90 mm Hg medikamentös zu behandeln.“ Wie die vorherige Leitlinie differenziert sie zwischen einem optimalen Blutdruckbereich (<120/80 mm Hg), einem normalen (120-129/80-84 mm Hg) und einem hochnormalen (130-139/85-89 mm Hg). Erst darüber liegende Werte werden als krankhaft eingestuft und sollten medikamentös behandelt werden, wenn eine Lebensstiländerung, die bereits Patienten mit hochnormalen Werten empfohlen wird, keine Erfolge gezeigt hat.

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„Generell gilt aber: Bluthochdruck ist ein komplexes Erkrankungsbild und die moderne Bluthochdrucktherapie sollte individualisiert erfolgen, die Leitlinien setzen lediglich den groben Rahmen“, erklärt Professor Krämer, Präsident der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. „Primäres Ziel muss ein, alle Hypertoniker erfolgreich unter diesen Wert von 140/90 mm Hg, nach Möglichkeit aber in den Normalbereich (<130/80 mm Hg) zu bringen. Doch derzeit ist die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck nicht bzw. nicht erfolgreich behandelt“, so der Experte. Die Gründe dafür liegen in einer mangelnden Therapietreue der Patienten und in einer immer noch bestehenden Dunkelziffer der Erkrankung. Diese beiden Probleme adressiert die neue Leitlinie, was die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention ausdrücklich begrüßt. Zum einen empfiehlt sie, dass normotensive Erwachsene mit optimalen Blutdruckwerten unter 120/80 mmHg alle 5 Jahre eine Blutdruck-Screening-Messung erhalten und Erwachsene mit hochnormalen Blutdruckwerten (130-139/85-89 mmHg) mindestens jährlich. Um die Therapietreue zu stärken, empfiehlt sie den Einsatz von Fixdosis-Kombinationen (im engl. „single pill combinations“ = SPC; 2-3 blutdrucksenkende Substanzen in einer einzigen Tablette) – es ist bekannt, dass die Therapietreue nachlässt, je mehr verschiedene Tabletten die Patienten einnehmen müssen. Entsprechend hat sich auch ein Paradigmenwechsel in der Therapie ergeben: „Die medikamentöse Therapie soll nun primär als 2-fach-Kombinationstherapie aus ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Kalziumantagonist oder Thiaziddiuretikum erfolgen, die Monotherapie hat als Erstlinientherapie ausgedient“, kommentiert Professor Krämer. Literatur Williams B., Mancia G. et al. 2018 Guidelines of the ESC/ESH in press Eur Heart J / J Hypertens Wright JT, Jr., Williamson JD, Whelton PK et al. A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med 2015; 373: 2103-2116.

Quellen

ESH 2019


Molekulare Therapie soll Risikopatienten vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen

Bereits die einmalige Therapie mit einer Ribonukleinsäure – einer „small-interfering RNA“ (siRNA) – schützt Patienten mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen nachhaltig vor erhöhten LDL-Cholesterinwerten, einem Hauptrisikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Dies ist das Ergebnis einer klinischen Studie, die Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung gemeinsam mit Kollegen des Imperial College London durchgeführt haben. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine* publiziert.

Als Bestandteil von Zellwänden und als Baustein vieler Hormone spielt das Fettmolekül Cholesterin eine wichtige Rolle im Zellstoffwechsel. Befindet sich jedoch zu viel Cholesterin im Blut, steigt das Risiko für Gefäßverkalkung und Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Besonders gefährdet sind Hochrisiko-Patienten, die aufgrund einer erblichen Erkrankung unter sehr hohen LDL-Cholesterin-Werten leiden. Bei diesen Patienten hindert ein Protein mit dem Akronym PCSK9 (Proprotein-konvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) die Leber daran, das LDL-Cholesterin aus dem Blut zu entfernen.

Die Wissenschaftler um die beiden Erstautoren Prof. Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie an der Charité am Campus Benjamin Franklin und Prof. Kausik Ray vom Imperial College London, nutzten in ihrer Studie das Wirkprinzip der sogenannten RNA-Interferenz („small interfering RNA“), ein Zellmechanismus, der vor einigen Jahren entdeckt wurde und effektiv schädliche Proteine im Körper ausschalten kann. Gelangt nämlich doppelsträngige siRNA in die Zelle, wird diese von einem bestimmten Komplex (RISC Komplex) gebunden. Dies lässt sich zielgerichtet für die Stummschaltung von Genen einsetzen.

In ihrer Studie untersuchten die Forscher deshalb die Wirksamkeit und Effizienz einer siRNA gegen das Protein PCSK9. Insgesamt 501 Hochrisiko-Patienten mit erhöhten LDL-Cholesterinwerten erhielten subkutan entweder verschiedene Dosierungen des Wirkstoffes Inclisiran oder ein Placebo. Es zeigte sich, dass Inclisiran sowohl die Menge des Proteins als auch die LDL-Cholesterinwerte signifikant senkte, letztere um bis zu 41,9 Prozent nach einer einzelnen und um bis zu 52,6 Prozent nach einer zweifachen Dosis.

„Besonders interessant ist für uns der langanhaltende Effekt der Behandlung, der bereits nach einer einmaligen Gabe noch über neun Monate lang sichtbar war“; kommentiert Prof. Ulf Landmesser die Ergebnisse der Studie. „Im nächsten Schritt wollen wir die Behandlung jetzt in einem großen klinischen Studienprogramm als neue Therapie zur Vermeidung des Herzinfarkts und Schlaganfalls bei Hochrisiko-Patienten weiter entwickeln“, fügt er hinzu.

*Originalpublikation:
Ray KK, Landmesser U, Leiter LA, Kallend D, Dufour R, Karakas M, Hall T, Troquay RP, Turner T, Visseren FL, Wijngaard P, Wright RS, Kastelein JJ. Inclisiran in Patients at High Cardiovascular Risk with Elevated LDL Cholesterol. N Engl J Med. 2017 Mar 17. doi: 10.1056/NEJMoa1615758. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 28306389.

Neue Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerzmitteln.

Zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert: Schmerz- und Migränemittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und in eine chronische Krankheit verwandeln. Menschen mit häufigen Kopfschmerzen sollten vorbeugend dagegen aktiv werden, um nicht in einen Teufelskreis von Schmerzen und Medikation zu geraten, empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in ihrer heute vorgelegten neuen Leitlinie zur Diagnose und Therapie des Kopfschmerzes durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln. „Unkomplizierte Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp können Patienten vielfach selbst behandeln. Allerdings sollten sie nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat Schmerztabletten einnehmen“, sagt PD Dr. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Eine gezielte Prävention senkt den Bedarf an Schmerzmitteln. Mit ärztlicher und gegebenenfalls psychotherapeutischer Hilfe könnten die meisten Patienten ihre Kopfschmerzen in den Griff bekommen, so die Neurologin.

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Weltweit sind 0,7–1 Prozent der Bevölkerung von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln betroffen, in Deutschland also mindestens eine halbe Million Menschen. „Das Krankheitsbild ist häufiger bei Frauen, bei Patienten mit Depressionen, Angsterkrankungen oder anderen chronischen Schmerzen, wie z.B. Rückenschmerzen“, berichtet Prof. Hans-Christoph Diener, Essen, Kopfschmerzexperte der DGN, der die Leitlinienarbeit gemeinsam mit PD Dr. Charly Gaul, Königstein, und Professor Peter Kropp, Rostock, beide von der DMKG, koordiniert hat.

Von chronischem Kopfschmerz durch Übergebrauch von Medikamenten sprechen Ärzte, wenn Patienten mit vorbestehenden primären Kopfschmerzen (zum Beispiel Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp) über mindestens drei Monate an 15 oder mehr Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden und an mehr als 14 Tagen im Monat Schmerzmittel oder an mehr als neun Tagen im Monat Migränemittel (Triptane oder Mutterkornalkaloide), Opioide oder Schmerzmittelkombinationen einnehmen. Im englischen Sprachgebrauch wird dieser Kopfschmerz als „Medication Overuse Headache“ (MOH) bezeichnet. „Die meisten Patienten ahnen nicht, dass Schmerztabletten die Schmerzursache sein können“, berichtet Diener. Umso wichtiger sei es, dass Kopfschmerzspezialisten, Neurologen, Schmerztherapeuten, Schmerzpsychologen, Hausärzte und Apotheker über das Risiko aufklären und zu wirksamen Behandlungsalternativen beraten.

Drei therapeutische Schritte empfohlen

Die Leitlinie empfiehlt ein dreistufiges Vorgehen bei der Therapie von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln, wie PD Dr. Charly Gaul, Generalsekretär der DMKG, erläutert: „Die erste Maßnahme sollte stets in der Schulung und Beratung von Patienten liegen, mit dem Ziel, die Einnahme von Akutmedikamenten zu reduzieren. Der zweite Schritt ist eine medikamentöse Prophylaxe der zugrunde liegenden Kopfschmerzerkrankung. Wirkt diese Therapie nicht, sollte als dritter Schritt eine Medikamentenpause angestrebt werden. Dieser Entzug kann je nach Konstellation ambulant, tagesklinisch oder stationär durchgeführt werden.“

Sport und Entspannung senken den Bedarf an Schmerzmitteln

Damit Kopfschmerz durch ein Zuviel an Medikamenten erst gar nicht entsteht, raten die Experten zu einer konsequenten vorbeugenden Behandlung. Neben Medikamenten helfen Ausdauersport, Entspannung und Stressmanagement, Kopfschmerzattacken vorzubeugen. „Auch die Verhaltenstherapie hat sich in der Prophylaxe als wirksam erwiesen“, sagt Prof. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Rostock.

Diese Möglichkeiten der Prävention würden jedoch längst nicht ausgeschöpft, bemerkt Stefanie Förderreuther. „Viele Patienten wissen schlicht nicht, dass man vorbeugend gegen Kopfschmerzen vorgehen kann. Das ist einfach nicht in den Köpfen der Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass sie in der Werbung nur die Akutbehandlung von Kopfschmerzen sehen. Für vorbeugende, in der Regel verschreibungspflichtige Medikamente darf dagegen nicht geworben werden. Und hinter verhaltenstherapeutisch ausgerichteten vorbeugenden Strategien steht keine Firma, die ein Interesse an Werbung hätte.“ Mit einer leitliniengerechten Therapie könne den meisten Kopfschmerzpatienten geholfen werden, betont die Ärztin. Selbst ein Kopfschmerz durch Übergebrauch von Akutmedikamenten sei behandelbar und keine Sackgasse.

Quelle

 

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